Ein Bauarbeiter zeigte dem Ordnungsamt 48 Verstöße gegen das Berliner Ladenöffnungsgesetz von Spätverkaufsstellen im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg an. Sein Anliegen, es gehe ihm um Gerechtigkeit.
Der Laden „Kollwitz 66“ startete daraufhin eine Gegenkampagne und pinnt an sein Schaufenster, mit der Bemerkung „Wir bedauern, dass die bisherige liberale Praxis gegenüber ,Spätis‘ in Berlin dank einer Einzelperson offenbar beendet werden soll“ dessen Namen und Telefonnummer. Inzwischen ist das Protestschreiben aus dem Schaufenster des Kollwitz 66 wieder entfernt worden, auf Facebook findet sich jedoch ein Foto dieses Schaufensters.
Was dem Berliner fast selbstverständlich geworden ist, das er abends schnell noch einmal um die Ecke flitzt und Butter, Milch oder eine Flasche Wein besorgt, ist nicht nur praktisch, sondern auch rechtens. Seit 2006 erlaubt das Ladenöffnungsgesetz von Montag bis Sonnabend den Verkauf aller Waren rund um die Uhr. Nur an Sonntagen sieht das ganze anders aus. Sonntags dürfen Läden bis 16 Uhr öffnen, wenn sie „ausschließlich“ Blumen, Zeitschriften, Backwaren und Milchprodukte anbieten. Bis 20 Uhr kann Reisebedarf verkauft werden – darunter Andenken, Stadtpläne, Postkarten, Zigaretten und Lebensmittel zum sofortigen Verzehr. Der Laden „Kollwitz 66“ ist ein Mischgeschäft mit großem Sortiment und hat die Genehmigung bis 20 Uhr zu öffnen. Darf aber einige Artikel nur bis 16 Uhr anbieten.
Die Kunden vom Kollwitzplatz und aus der Umgebung verstehen nur Bahnhof, wenn Inhaber Matthias Liebe versucht ihnen die neuen Einschränkungen zu erläutern. Sie wollen halt zwei Bier, eine Flasche Wein oder eine Tüte Milch für die Kinder kaufen. Doch Matthias Liebe bangt nicht nur um seine Sonntagskunden nach 16 Uhr sondern sieht auch generellen Handlungsbedarf.
Der Wind wird rauer im Kiez. Einzelhandelsläden wie das Leporello oder Tisch und Tafel verlassen den Kiez, die Querelen um den Samstagsmarkt und dessen Umzug taten der aktuellen Entwicklung auch nicht gut und jetzt sitzt einem Dank des netten Bauarbeiters wahrscheinlich das Ordnungsamt im Nacken. Entspannt in die Zukunft schauen fühlt sich anders an.
Kollwitz 66, Kollwitzstraße 66, 10435 Berlin